“Sanfter Druck” bei der Auswahl der Handwerker (2)

By | 6. Februar 2016

Die von der WEG-Verwaltung vorgeschlagenen Handwerker und externen Dienstleister werden nicht immer ganz so neutral ausgewählt, wie dies den Anschein haben soll

Immer öfters werden Fälle bekannt, in denen es nicht um die Interessen der Wohnungseigentümergemeinschaft geht, sondern um die Interessen den Hausverwaltung, die mit “notleidenden” Unternehmen zusammenarbeitet.

Unterstützt wird die angeblich “freie” Wahl der Handwerker durch
a) Übersichtstabellen der eingeholten Kostenvoranschläge
b) Klauseln im Verwaltervertrag, wie:
“Bei der Vergabe von Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten ist die Verwaltung verpflichtet, durch Preisvergleiche eine kostengünstige Lösung zu suchen.
Soll der Auftrag nicht an den günstigsten Bieter erteilt werden, ist die mehrheitliche Zustimmung des Verwaltungsbeirats erforderlich. Es soll darauf geachtet werden, dass Aufträge nur an Unternehmen erteilt werden, die Gewähr für eine ordnungsgemäße Ausführung bieten.
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Praxisfall:
Nachdem dem Vor-Verwalter Unregelmäßigkeiten in seiner Verwaltertätigkeit nachgewiesen werden konnten und dieser daraufhin die “Flucht nach vorne” antritt und vorzeitig kündigt, übernimmt einen neue Hausverwaltung diese  Wohnungseigentümergemeinschaft.
Hoffnungsfroh blicken die Wohnungseigentümer auf eine korrekt und seriös arbeitenden Hausverwaltung. Sie werden jedoch wieder enttäuscht werden: im mehrfacher Hinsicht können auch dieser Verwaltung Unregelmäßigkeiten nachgewiesen werden werden.

Zu Beginn ihrer Verwaltertätigkeit sollte der neue Hausverwalter die anstehende Balkon- und Fassadensanierung in die Wege leiten und die WEG bat den Verwalter Kostenvoranschläge einzuholen.
Gesagt, getan: wenige Monate später lag eine Tabelle mit den Kosten der verschiedenen Anbieter vor. Diese war von dem für die Hausverwaltung arbeitenden, angestellten Ingenieur erstellt worden.

Daraufhin stellten die Wohnungseigentümer fest:
1. die Kosten der geplanten Sanierung übertrafen die bisher eingeholten Kostenschätzungen und bei weitem die Mittel der WEG.

2. Daraufhin wurden verschiedenen Szenarien ausgearbeitet, wie die Kosten ggf. zu reduzuieren wären. Jedoch, wie man es auch drehte: immer war eine bestimmte Firma “die preiswerteste”: Firma B, aus einem 25 km entfernten Ort.

3. Kurioserweise war diese Firma B. bei Einzeleinsätzen der vorherigen Monate überhaupt nicht so preiswert.
Im Gegenteil: als die Mitarbeiter der Fa. B. einmal kamen, um einer Miteigentümerin bei der Verstopfung eines Balkondach-Regenrohrs behilflich zu sein, berechneten sie der fast blinden, älteren Dame für knappe 5 Minuten Arbeitseinsatz nachweislich 4 Stunden Arbeitsleistung (2 Std. für 2 Mitarbeiter).
Zudem waren sie am falschen Tag und zur falschen Uhrzeit erschienen.

Da die Eigentümergemeinschaft mit der Höhe der von der Hausverwaltung veranschlagten Sanierungsmaßnahme nicht einverstanden war und andere Wege gehen wollte, wurde die Maßnahme zeitlich nach hinten geschoben.

Zurück zur geplanten Sanierungsmaßnahme:
Stutzig gemacht durch das unseriöse Verhalten der von der Hausverwaltung ach-so-sehr  empfohlenen Handwerkerfirma schauten einige Eigentümer ins Handelsregister.
Dort fanden sie die kostenlos zur Verfügung gestellten Bilanzen der letzten Jahre der besagten Firma B. – und waren recht erstaunt:

Fa. B. hatte 2010, im Vorjahr zu der geplanten, teuren Balkon-und Fassadensanierung ein schwieriges Jahr: das Eigenkapital war auf beängstigende 17% des Stammkapitals gesunken und  Fa. B. war nicht sehr weit davon entfernt, Insolvenz anzumelden.
Im Jahr 2011 ging es dann wieder bergauf.
3jahre firma b

Weiter bergauf ging es in den Folgejahren:
bilanz fa b letzt

Zusammenfassung:
nachdem die Hausverwaltung, die übrigens mehrere Hundert Eigentümergemeinschaften mit entsprechendem Sanierungsberarf betreut, im Jahr 2011 feststellte, dass Fa. B. bei einer geplanten, größeren Sanierungsmaßnahme in einer Wohnungseigentümergemeinschaft das beste und preiswerteste Angebot abgab …. ging es mit der Handwerkerfirma B. steil bergauf!

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