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Münchner Hausverwaltungen – 400.000 Mark in die eigene Tasche

Zahlreichen Hausverwaltungen fordern Schmiergeldzahlungen von Handwerkern und Öl-Lieferanten

Die Süddeutsche Zeitung schreibt:

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Münchner Hausverwaltungen Sie erpressen Handwerker und kassieren für Öl. Schon 20 Schmiergeldfälle aufgedeckt – Ermittler warnen: “Das System verführt zur Selbstbedienung”

Der leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld spricht von Praktiken, die “sehr, sehr weit verbreitet” seien. Staatsanwältin Stefanie Oberländer, die seit Jahren korrupten Verwaltern auf der Spur ist, sagt: “Den schwarzen Schafen ist Tür und Tor geöffnet, in die eigene Tasche zu wirtschaften, ohne dass es auffliegt.”

In einem besonders dreisten Fall habe ein Mitarbeiter über Jahre hin mindestens 400.000 Mark in die eigene Tasche gewirtschaftet. Karl-Heinz F., Angestellter einer Verwaltung und zeitweilig deren Prokurist, habe bei seinem Arbeitgeber weitgehende Vollmachten für die Auftragsvergabe gehabt. Zuerst habe er kleinere Aufträge an Handwerker vergeben und so deren Vertrauen gewonnen.

Als sich die meist kleinen Firmen auf regelmäßige Zusammenarbeit eingestellt und teilweise ihren Betrieb erweitert hatten, stellte er seine Forderung: Zehn Prozent der Auftragssumme als “Provision” – oder keine Aufträge mehr. “Die meisten Firmen haben bezahlt, weil sie so unter Druck standen”, fasst Staatsanwältin Stefanie Oberländer zusammen.
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RP Online: Betrug und Untreue – Bewährungsstrafe für Hausverwalter

Die Rheinische Post Online schreibt:

Düsseldorf.
Zur Höchststrafe, die in Abwesenheit eines Angeklagten verhängt werden kann, hat das Amtsgericht jetzt einen 59-jährigen Wohnungsverwalter verurteilt. Mit schriftlichem Strafbefehl wurde gegen den Geschäftsführer einer Hausverwaltung wegen Betruges und Untreue ein Jahr Bewährungsstrafe festgesetzt.
Laut Anklage hatte er heimlich das Konto einer Eigentümergemeinschaft leer geräumt und sich dann mit mindestens 160 000 Euro in die Schweiz abgesetzt.

Für die Sanierung ihrer Balkone hatten die Wohnungseigentümer einst eine Sonderumlage von insgesamt 102 000 Euro akzeptiert und das Geld auch auf das Verwalterkonto eingezahlt. Passiert ist danach monatelang nichts mehr.

Zumindest blieb die Balkonsanierung ein Wunschtraum. Als die Eigentümergemeinschaft im April 2004 erfuhr, dass nicht nur das komplette Balkongeld, sondern auch weitere Rücklagen von rund 60 000 Euro vom Konto abgeräumt worden waren, verlangten die Wohnungseigentümer ihr Geld zurück. Doch dieser Beschluss konnte dem Verwalter nicht mehr zugestellt werden. Er hatte sich, so die Anklage, längst in die Schweiz abgesetzt.

Seitdem hat die Justiz mehrfach versucht, den 59-Jährigen vor Gericht zu bringen. Daraufhin ließ er über seinen Anwalt ausrichten, er sei krank. Zuletzt ließ er kein Wort mehr von sich hören. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ eine Richterin deshalb in Abwesenheit des Angeklagten einen schriftlichen Strafbefehl mit einer Verurteilung zu einem Jahr Bewährungsstrafe. Dagegen kann der Verwalter noch Einspruch einlegen. Dann müsste das Amtsgericht erneut einen Prozesstermin festsetzen.

 

Text von Wulf Kannegießer, Rheinische Post Online, 26.02.2011